Forschungsstelle Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte der griechisch-arabisch-lateinischen Tradition

Forschungstelle griechisch-arabisch-lateinische Tradition
Forschungstelle griechisch-arabisch-lateinische Tradition

Diese Forschungsstelle des Instituts für Philosophie fördert das wissenschaftliche Studium der griechisch-arabisch-lateinischen Tradition und gibt ihm einen institutionellen Ort. Sie dient generell als Anlaufstelle für Anfragen aus Wissenschaft und Öffentlichkeit zum arabischen Einfluss in Europa.

Leitung: Prof. Dr. Dag Nikolaus Hasse



Arbeitsgruppen:

(1) Edition: Averroes’ großer Kommentar zur Metaphysik des Aristoteles (Averroes latinus)
D.N. Hasse zusammen mit:

  • Dr. Stefan Georges
  • sowie: Susan Barth B.A., Felicitas Haber B.A., Stanislav Pilischenko B.A. und Dr. des. Jens Ole Schmit

Averroes' großer Kommentar zur Metaphysik des Aristoteles ist bislang nur auf Arabisch in einer vollständigen kritischen Edition verfügbar. Von der historisch weitaus einflussreicheren lateinischen Übersetzung hingegen sind bislang nur vier der elf Bücher ediert, und für diese Editionen wurde nur ein kleiner Teil der erhaltenen Textzeugen ausgewertet. Es wird eine kritische Edition der gesamten lateinischen Fassung erstellt, der eine Auswertung aller erhaltenen 135 Textzeugen und die Kollation der Handschriften C (Paris, Bibliothèque nationale de France, Latin 15453), On (Oxford, New College Library, 284), Ve (Venedig, Biblioteca Nazionale Marciana, Lat. VI,45 = 3065), Vi (Venedig, Biblioteca Nazionale Marciana, Lat. Z. 248 = 1504), Vx (Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. lat. 2080) Jhd.) und Wi (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, 185) sowie der Frühdrucke I (Padua: Canozzi, 1473) und Z (Venedig: Giunta, 1562) zugrundeliegt. Zudem wird eine englische Übersetzung des Editionstextes erstellt. Die Edition ist Teil des Großprojekts 'Corpus Commentariorum Averrois in Aristotelem', dessen lateinische Reihe im Auftrag der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Union Académique Internationale herausgegeben wird.

 


 

(2) Lexikon: Arabic and Latin Glossary (DFG-Langfristvorhaben)

D.N. Hasse zusammen mit:

  • Katrin Fischer, M.A.
  • Stefanie Gsell, M.A.
  • Susanne Hvezda, M.A.
  • Barbara Jockers, M.A.
  • Eva Sahr, B.A.
  • Dr. des. Jens Ole Schmitt
  • Raphael Kretz, M.A. (IT)


Das "Arabic and Latin Glossary" ist ein Projekt, das der Erforschung des arabischen Einflusses auf die europäische Wissenschaftssprache dient. Es basiert auf den Einträgen aller bislang existierenden arabisch-lateinischen Glossare in modernen Editionen mittelalterlicher Werke. In gewisser Weise stellt es die arabisch-lateinische Entsprechung zum “Greek and Arabic Lexicon” (GALex) von Gerhard Endreß und Dimitri Gutas dar (1992ff.). Da es online publiziert wird, lässt sich auch als arabisch-englisches Lexikon für die arabische Philosophie- und Wissenschaftssprache benutzen.

http://www.arabic-latin-glossary.philosophie.uni-wuerzburg.de/

 


(3) Ptolemaeus Arabus et Latinus (Bayerische Akademie der Wissenschaften und Universität Würzburg)

http://ptolemaeus.badw.de/start

Die astronomischen und astrologischen Werke des Claudius Ptolemaeus (2. Jahrhundert n.Chr.) waren bis ins 17. Jahrhundert zentrale Quellentexte für das wissenschaftliche Weltver­ständnis der arabisch-islamischen und lateinisch-christlichen Kulturen. Das Projekt erschließt die arabischen und lateinischen Versionen der Hauptwerke Almagest und Tetrabiblos, der Nebenwerke und Pseudo-Ptolemaica und die umfangreiche Kommentar-, Glossen- und Kri­tik-Literatur in Editionen, Handschriftenkatalogen, technischen Analysen und historischen Studien. Die Erschließung der ptolemäischen Tradition ermöglicht neue Erkenntisse über die gemeinsamen Grundlagen islamischer und europäischer Kultur im Mittelalter, über die eng verzahnte Geschichte von Astronomie und Astrologie, über die Leistungen und ständigen Reformanstrengungen mittelalterlicher Wissenschaftler, sowie schließlich über die Voraus­setzungen und Errungenschaften der kopernikanischen Revolution.

 



(4) Identifikation von arabisch-lateinischen Übersetzern (Kallimachos, BMBF)

  • Andreas Büttner, B.A. und D.N. Hasse

Viele der mittelalterlichen arabisch-lateinischen Übersetzungen stammen von anonymen Übersetzern. In vielen Fällen ist mit philologischen und computergestützten Methoden der Stilanalyse möglich, anonyme Übersetzungen schon bekannten Übersetzern zuzuweisen:

www.kallimachos.de/kallimachos/index.php/Identifikation_von_

Übersetzern

 


(5) Korpus arabisch-lateinischer Übersetzungen des 10.-14. Jahrhunderts (Leibniz-Programm der DFG)

  • Dr. Irina Galynina
  • Dr. Jon Bornholdt

Die arabisch-lateinischen Übersetzungen des 10.-14. Jahrhunderts werden durch Inventare aller Übersetzungen und den Aufbau eines digitalen Korpus von Editionen und Transkriptionen erschlossen.