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Institut für Philosophie

Markus Heuft - Sinnzumutungen (Habilitationsprojekt)

Dem philosophischen Bild eines sich selbst transparenten und in seinen Überzeugungen konsistenten Bewusstseins, das in seinen Kommunikationen die zugehörigen Geltungsan­sprüche kennt, sie vertritt und notfalls einlösen könnte, steht die soziologische Beschreibung von Gesellschaft gegenüber. Nach dieser ist an gesellschaftlicher Kommunikation Bewusstsein zwar als notwendige Instanz beteiligt, doch eignet dieser Beteiligung kein besonderes Engagement, keine ausgeprägten Motive und keine besondere Rationalität. Aus soziologischer Sicht weiß der Einzelne im Regelfall weder genau, was er tut (kommuniziert), noch warum er es tut, noch welche Wirkungen es hat. Diese Defizite auf Seiten des individuellen Bewusstseins hemmen allerdings die gesellschaftlichen Prozesse in keiner Weise. Doch nicht nur die Soziologie betreibt die Demontage des bewussten Ich. Dass das Bewusstsein keineswegs alleiniger Herr der kommunikativen Situation ist, wurde erstmals durch die Tiefenpsychologie systematisch verfolgt und hat heute sowohl in die empirische Psychologie wie in die Kommunikationspsychologie Eingang gefunden. In einer phänomenologischen Beschreibung werden nun die Sinnzumutungen für ein Bewusstsein deutlich, das sich unter Zeitdruck zwischen Rollenerwartungen, nicht durchschauten Motivlagen und fehlendem Wissen eingezwängt sieht. Die Untersuchung möchte in zeitgenössischen philosophischen Ansätzen Beschreibungen dieser uns aufgezwungenen Vielstimmigkeit mit ihren erheblichen Kosten (kognitive Dissonanz, inkonsistente Welt- und Selbstbilder) finden - und fragt nach den Möglichkeiten eines realistischen Umgangs mit dieser Vielstimmigkeit, durch den Ansprüche an das eigene Leben und die Gesellschaft nicht aufgegeben werden.

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