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Institut für Philosophie

David Franz, M.A.

Projektbeschreibung

Die Kontingenz der praktischen Vernunft

Moralische Verantwortlichkeit und die Herausforderung der empirischen Psychologie

Als interdisziplinär angelegtes Forschungsprojekt über menschliche Handlungsrationalität und moralische Verantwortlichkeit möchte diese Arbeit einen Beitrag leisten zu der inzwischen intensiven Auseinandersetzung seitens der Philosophie mit Ergebnissen der empirischen Psychologie. Menschliche Verantwortlichkeit beruht auf der Fähigkeit, Handlungsgründe zu erkennen, zu bewerten und in die Tat umzusetzen. Sie kennzeichnet so einen wichtigen Teil menschlichen Selbstverständnisses und bildet zugleich den Kern der meisten moralphilosophischen Theorien. Was aber wäre noch ein angemessenes Verständnis von Verantwortlichkeit, wenn die Psychologie zeigen kann, dass genau das Vermögen, das Menschen als moralisch verantwortliche Akteure qualifiziert, in seiner Ausübung in hohem Maß von nicht durchschauten äußeren und inneren Faktoren abhängig ist? Diese Kontingenz der praktischen Vernunft zeigt sich beispielsweise in der Rolle situativer Merkmale – seien sie sozial oder rein physisch –, in der Bedeutung emotionaler und affektiver Zustände des Menschen und in der Salienz sozialer Normen, aber auch in den oft nur beschränkten (meta-)kognitiven Möglichkeiten des Menschen. Menschen sind zwar erstaunlich gut darin, eine kohärente Geschichte über ihr Verhalten und ihre Meinungen zu erzählen, doch sie schneiden zumindest teilweise überraschend schlecht darin ab, diese Geschichten durch zuverlässige und unerschrocken ehrliche Selbsteinsicht zu validieren. Durch einen gleichberechtigten Austausch zwischen dem möglichst umfassend aufzuarbeitenden empirischen Forschungsstand und darauf bezogener moralphilosophischer Reflexion soll die These der Kontingenz der praktischen Vernunft sowohl empirisch plausibel gemacht als auch in ihren philosophischen Konsequenzen bewertet werden. Zielt die Moralphilosophie diesseits einer prinzipiellen Feststellung praktischer Vernunftfähigkeit des Menschen auf von Menschen in angemessener Weise umsetzbare Normen, sollte sie die empirische Gegebenheit der Kontingenz dieser Fähigkeit ernst nehmen, da sie ansonsten Gefahr läuft, wichtige Aspekte menschlicher Praxis zu stark zu vernachlässigen.

Die Dissertation wird gefördert durch ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.

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