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Institut für Philosophie

Modi der Intentionalität: Eine historisch-systematische Analyse

Forschergruppe "Modi der Intentionalität"

Die Forschergruppe wurde 2019 am Institut für Philosophie der Universität Würzburg gegründet und ist an der Juniorprofessur für Theoretische Philosophie angesiedelt. Ziel des Projektes ist eine historisch-systematische Analyse des Intentionalitätsbegriffes in der mittelalterlichen und der phänomenologischen Tradition. 

Der theoretische Rückgriff auf Konzepte des Mittelalters begleitete immer wieder das phänomenologisch inspirierte Denken (etwa bei Martin Heidegger, Edith Stein oder Hans Blumenberg). In besonderer Weise gilt dies für den Begriff der intentionalen Beziehung oder Intentionalität. Mit den Begriffen intentio und intentionalitas charakterisierte das lateinische Mittelalter in der Rezeption arabischer Quellen kognitive, emotive und praktische Momente des psychischen Lebens. Ein ähnlich umfassendes Verständnis der Intentionalität wird durch phänomenologische Analysen des Bewusstseins nahegelegt. So versteht Franz Brentano im Rahmen seiner deskriptiven Psychologie die intentionale Beziehung – oder die Gerichtetheit auf einen Gegenstand – als das wesentliche Merkmal psychischer Phänomene im Unterschied zu physischen Phänomenen.  Und im Rekurs auf Brentano prägt Edmund Husserl die weiteren Entwicklungen des Intentionalitätsbegriffs als Grundbegriff der phänomenologischen Bewusstseinsanalyse. 

Neben der Erforschung von philosophiehistorischen Bezügen zielt das Projekt darauf ab, die systematischen Themenfelder näher in den Blick zu nehmen, bei denen mittelalterliche Philosophie und Phänomenologie Anknüpfungspunkte finden. Die in beiden Traditionen durchaus facettenreichen Begriffe der Intentionalität und Intention werden dabei im Zusammenhang von Kognition, Affekt und Handlung näher untersucht. Damit will die Forschergruppe zu einer historisch informierten systematischen Diskussion aktueller Konzeptionen von Intentionalität und ihrer Modi, etwa in der Philosophie des Geistes, der Erkenntnis- oder Handlungstheorie, beitragen.

Michela Summa ist seit Oktober 2018 Juniorprofessorin für Theoretische Philosophie am Institut für Philosophie der Universität Würzburg. Sie forscht über Intentionalität vor allem aus phänomenologischer Perspektive, mit besonderer Berücksichtigung der Intentionalität der Wahrnehmung, Erinnerung und Phantasie und der Weise, wie sich solch basale Modi der intentionalen Beziehung zu den höherstufigen Strukturen der prädikativ geformten Intentionalität verhalten. Sie hat auch zur Intentionalität bestimmter Gefühle gearbeitet (Freude, Glück, Nostalgie), zur Funktion der Intentionalität im Verhalten und Handeln und zu den sozialen Aspekten der Intentionalität.

Projektrelevante Publikationen

  • Special issue of Phänomenologische Forschungen. “Modes of Intentionality. Phenomenological and Medieval Perspectives” (2/2018) – Herausgegeben mit Jörn Müller meiner.de/phanomenologische-forschungen-2018-2-modes-of-intentionality-phenomenological-and-medieval-perspectives.html?
  • (mit Karl Mertens) “Shaping Actions. On the Role of Attention and Ascription in the Formation of Intentions within Behavior.” Phaenomenologische Forschungen 2/2018, 177-196.
  • „Imagination“. In: Hanne Jacobs (Ed.). The Husserlian Mind. London/New York: Routledge (forthcoming).
  •  “Joy and Happiness”. In: Thomas Szanto and Hilge Landweer (Eds.). The Routledge Handbook of Phenomenology of Emotions. (forthcoming).
  •  “Are Emotions Recollected in Tranquility? Phenomenological Reflections on Emotions, Memory, and the Temporal Dynamics of Experience” In M. Ubiali & M. Wehrle (eds): Edmund Husserl on: Feeling and Value, Willing and Action, Heidelberg, Springer, 163-181. (2015).
  • Spatio-Temporal Intertwining. Husserl’s Transcendental Aesthetic, Dordrecht: Springer. (2014).

Martin Klein ist seit März 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Würzburg. Er forscht zur Erkenntnistheorie, Metaphysik und Naturphilosophie im Mittelalter mit Schwerpunkt auf dem 14. Jh. Innerhalb des Projektes arbeitet er zu u.a. den folgenden Themen: der Blick des Geistes (Johannes Buridan, Hervaeus Natalis und Petrus Aureoli); Bewusstsein, Reflexivität und Objektbezug (Petrus Johannis Olivi, Durandus von Saint-Pourçain und Walter Chatton im Vergleich mit Brentano und Husserl); experientia und Erlebnis (u.e. Adam Wodeham und Walter Chatton); Gewissheit und Evidenz (Wilhelm von Ockham, Walter Chatton, Pierre d’Ailly).

Projektrelevante Publikationen

  • Philosophie des Geistes im Spätmittelalter. Intellekt, Materie und Intentionalität bei Johannes Buridan (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 124), Leiden: Brill 2019.
  • „John Buridan on the Singularity of Sense Perception“, in: Medieval Perceptual Puzzles. Theories of Sense Perception in the 13th and 14th Century (Investigating Medieval Philosophy, 13), ed. E. Baltuta, Leiden: Brill 2019, 364–388.
  • Consciousness and Memory in Medieval and Early Modern Philosophy, special issue of Society and Politics 2018 – Herausgegeben mit Osori-Kupferblum & O. I. Tóth <http://socpol.uvvg.ro/vol-12-no-2/

Philipp Schmidt ist seit Mai 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Würzburg. Er forscht über Intentionalität vor allem im Kontext gegenwärtiger Debatten der Philosophie des Geistes, Phänomenologie und Psychologie. Sein Augenmerk liegt vor allem auf der Intentionalität von affektiven Erfahrungen (Emotionen, Gefühle und Stimmungen) und ihrem Verhältnis zu Denken und Wahrnehmen. Dabei behandelt er Fragen nach dem Zusammenhang von Intentionalität, phänomenalem Erleben und Selbstbewusstsein. Zudem untersucht er, welche Einsichten aus philosophischen, phänomenologischen und psychologischen Analysen von Intentionalität – insbesondere affektiver Intentionalität – für die Erklärung von Phänomenen der Selbst-, Fremd- und Welterfahrung gewonnen werden können.

Projektrelevante Publikationen

  • “Störungen des Selbst in der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Der Zusammenhang von Affekt und erlebter Identität”. In: Thiemo Breyer & Thomas Fuchs (Hg.): Selbst und Selbststörungen. Freiburg/Br.: Alber 2019 [in press].
  • “The Relevance of Explanatory First-Person Approaches (EFPA) for Understanding Psychopathological Phenomena. The Role of Phenomenology”. In: Frontiers in Psychology. Theoretical and Philosophical Psychology, 9:694, 2018, doi:  10.3389/fpsyg.2018.00694. 
  • “Über die Genese von Empathie als direkter Wahrnehmung fremdpsychischer Zustände. Ein Blick auf das Verhältnis von Simulation, Inferenz und direkte soziale Wahrnehmung”. In: Special Issue of InterCultural Philosophy – Phenomenological Anthropology, Psychiatry, and Psychotherapy in Theory and Practice, 2018, 31-57.
  • “Die Konstitution der ursprünglichen Zeitphänomene: Husserl und die Aporien am Grunde des Bewusstseins”. In: Andreas Oberprantacher (Hg.): Mensch sein – Fundament, Imperativ oder Floskel? Beiträge zum 10. Internationalen Kongress der Österr. Gesellschaft für Philosophie in Innsbruck. Innsbruck: Innsbruck University Press 2017, 229-241.
  • Review: “Michelle Montague: The Given. Experience and its Content. Oxford: Oxford University Press 2016”. In: Phenomenology and the Cognitive Sciences 18 (2), 2019, 459-465.